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Warum habe ich Pharmakrieg überhaupt geschrieben?
Im Jahr 2004, nach vielfältigen Erfahrungen aus 23 Jahren in der Pharmaindustrie, entschloss ich mich, diese Industrie zu verlassen. Über Jahre war der Druck bei der Vermarktung von Arzneimitteln gestiegen und ich fand mich als Teil eines Systems wieder, dass die Interessen der Pharmahersteller über die Interessen von Patienten und Ärzten stellte. Dass Menschen darunter leiden werden, war damals bereits absehbar. Aber es kam schlimmer, als ich es befürchtet hatte.

Insbesondere  bei Arzneimitteln, die neu im Markt vorgestellt wurden, wurde immer wieder bekannt:

      1. dass sie nicht besser waren, als Präparate, die schon lange verfügbar waren
      2. dass sie zum Teil erheblich mehr Nebenwirkungen verursachten. Das führte auch
          zum Tod von Patienten. Ein Beispiel dafür werde ich später schildern.

Nun kann man vielleicht sagen, dass man ja nur das mit Ärzten bespricht, was einem von dem Unternehmen, für das man arbeitet, vorgeschrieben wird. Wenn aber von dem was man sagt, ein gesundheitliches Risiko für Patienten ausgeht, dann ist die Verantwortung immer eine sehr persönliche, unabhängig davon, ob solche Inhalte vorgeschrieben werden oder nicht.

Neue Arzneimittel, Me Too Präparate, Begriffsbestimmung
Innovation, Fortschritt sind die Begriffe, die mit neuen Arzneimitteln verbunden werden. “Nichts ist so effektive, nichts so verträglich, wie neue Arzneimittel,” so die Werbung. Die Wahrheit ist, das weiß auch nach deren Zulassungen niemand. Dass ein neues Arzneimittel zugelassen wird, heißt noch lange nicht, dass es sich auch dauerhaft am Markt durchsetzen kann. 90% der in den letzten 20 Jahren neu eingeführten Präparate waren auch kein Fortschritt. Sie haben bestenfalls das Gleiche geleistet, was Vorgängerpräparate geleistet haben (Me Too- oder Analogpräparate). Allerdings haben sie in der Regel ein Mehrfaches gekostet.

Mögliche Folgen für die Patienten
Sie gehen in dem Vertrauen zum Arzt, die für Ihre Erkrankung beste Therapie zu erhalten, wie die meisten von uns. In vielen Fällen wird dieses Vertrauen auch erfüllt. Für einige von uns endet aber dieser Vorgang nicht so glücklich. Therapiefehler, Nebenwirkungen, falsche Beratung, zu wenig Aufmerksamkeit und Zeit zeitigen Folgen für viele Patienten. Oft geraten wir an Ärzte, die eigentliche ganz andere Ziele verfolgen, als ihre Patienten optimal zu behandeln. Sie wollen über den Erstattungsbetrag, den sie für die Therapie von den Krankenkassen erhalten, mit den Patienten Geld verdienen.

Beispiele
     
1. Anwendungsbeobachtungen. Hier führen die Ärzte eine Studie mit ihren
          Patienten durch, die im Gesetz als klinische Studie Phase IV bezeichnet wird. Oft
          ist das den Patienten gar nicht bekannt. Sie erfahren das nicht. Gemäß der
          Deklaration von Helsinki, müssen Menschen aber immer darüber informiert,
          werden, ob sie an Studien teilnehmen oder nicht. Mehr noch, sie müssen in diese
          Studien einwilligen. Wenn dies nicht befolgt wird, ist dies ein Verstoß gegen die
          Menschenrechte.
          Mit diesen Studien werden Arzneimittel, die erst vor kurzer Zeit die Zulassung
          erhalten haben, auf ihre Alltagstauglichkeit hin getestet. Das diese Studien
          Einzug in das Gesetz gefunden haben, zeigt ja auch, dass entsprechende
          Unsicherheiten bestehen.

      2. IGLE Leistungen. Das sind all jene Leistungen, die Ärzte erbringen und die von
          den Krankenkassen nicht erstattet werden. Untersuchungen haben diesen
          Leistungen, bei denen oft genug Arzneimittel eine Rolle spielen, die genauso
          wenig von den Kassen erstattet werden, schlechte Noten erteilt. Es ist besser
          sich auf den Kanon der Leistungen zu verlassen, der wissenschaftlich untersucht
          wurde und von den Kassen erstattet wird. etc.

Was sich dahinter verbirgt.
Sie sehen in den Arztpraxen immer wieder, das Vertreter Ärzte aufsuchen, die ihm neue Möglichkeiten in der Therapie aufzeigen sollen. Das geschieht für die Patienten mehr oder weniger offen. Jede Arztpraxis ist eben auch ein “Marktplatz” für medizinische Leistungen und die Ärzte bestimmen, was angeboten wird. Hier sind Ärzte eben Unternehmer und da ist nichts schlechtes dran. Entscheidend ist, dass sie sich für die richtigen Therapieverfahren entscheidet. Entscheidend ist auch, dass sie sich nach medizinisch ethischen Grundsätzen entscheiden. Die Freiheit sich hier zu entscheiden ist ein Recht, das jedem Arzt von Gesetzes Wegen zugebilligt wird.

Die Auswahl, die der Arzt anbietet, ist immer eine beschränkte Auswahl und alle Erfahrung lehrt, dass weniger gut angewendet mehr ist.

Kann ein Arzt die nötigen Therapieverfahren nicht anbieten, dann überweist sie/er an eine Kollegin/Kollegen. Dort geht das dieses Spiel von vorne los. Irgendwann werden Sie ein Krankenhaus aufsuchen müssen und auch dort finden sie dieselben Verhältnisse vor.  Schlimmer noch, hier zählt neben den Interessen des Arztes auch das Interesse des Klinikbetreibers, bis zu dem Punkt, dass sich beide widersprechen.

Die Wahrheit ist, dass all dies ein Markt ist, der das Ziel hat, Ihnen Gesundheitsdienstleistungen und Produkte für die Vorsorge und Genesung anzubieten. Dies hat unter der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zu einem Paradigmenwechsel geführt. Aus dem Gesundheitswesen wurde die Gesundheitswirtschaft. Das hat sehr umfangreiche Folgen für die Patienten selber. Im Kern ist es ein völliger Systemwechsel.

Der Widerstreit und die Folgen für die Patienten
Ganz grundsätzlich kann man diesen Vorgang auf einen Punkt reduzieren. Es ist die Auseinandersetzung zweier Systeme. Das eine, das man als eher traditionell betrachten kann und das andere, das sich als fortschrittlich begreift.

Die Folgen, die das haben kann, an praktischen Beispielen

Es ist einige Jahre her, da wurde im Fernsehen von dem Fall eines Filialleiters einer Kölner Sparkasse berichtet. Der Mann war um die 40 Jahre alt und sportbegeistert. Er zog sich eine Sportverletzung zu, von der dauerhafte Schmerzen zurückblieben. Er begab sich in Behandlung und kontaktierte eine spezialisierte Sportklinik in seinem Umfeld. Dort wurde ihm dazu geraten, eine Infusion mit einem Schmerz und Rheumamittel mit der Bezeichnung Piroxicam zu machen. Piroxicam (wurde von dem Unternehmen Pfizer als Felden® vertrieben) ist ein sehr potentes sogenanntes nichtsteroidales (also kein kortisonhaltiges) Antirheumatikum. Eigentlich ein gutes Präparat, ich habe es oft selber als Kapseln eingenommen, wusste allerdings, welche Vorsichtsmaßnahmen ich bei der Einnahme zu beachten hatte.

Der Mann bekam die Infusion, hatte aber schon auf der Rückfahrt von der Klinik schwere Unterleibsbeschwerden. Kein Wunder, die waren vorhersehbar.

Piroxicam kann bei empfindlichen Patienten die Bildung von Magenschleim soweit reduzieren, dass die Patienten einen Magendurchbruch oder einen Durchbruch im Zwölffingerdarm erleiden. Das ist schon bei Tabletten so. Das ist für Patienten deshalb problematisch, weil Piroxicam sehr lange im Körper verbleibt, ehe es vollständig ausgeschieden wird. Es als Infusion zu geben, ist absolut verantwortungslos. Medikamente, die durch Infusion gegeben werden, sind sofort in voller Dosis bioverfügbar, sie fluten nicht verzögert an. D.h. die Wirkstoffkonzentration baut sich nicht langsam auf. Auch fehlt einer der wichtigsten Schutzmechanismen des Körpers, der First Pass Effekt über die Leber.

Diese Magenprobleme können zu Geschwüren führen, bis hin zum Durchbruch des Magens und Zwölffingerdarms. Genau das war geschehen. Der gesamte Inhalt des Magens einschließlich der Säure ergoss sich in den Bauchraum und floss beständig nach. Der Wirkstoff selber aber blieb bei dem Präparat aber mindestens 96 Stunden im Körper wirksam.

Der Mann war bereits am Ende der Infusion dem Tode geweiht, einem unvorstellbar qualvollen Tod. Auch der Chirurg konnte ihm nicht mehr helfen.

Wer als Pharmakologe auf den Gedanken kommt so etwas zu tun, will meinen aus einem solchen Arzneimittel eine Infusion herzustellen, ist entweder völlig ahnungslos, gefährlich ahnungslos oder ein Sadist. Mir, der ich das Medikament kannte, kam das vor wie eine Geschichte aus Dr. Mabuses Horrorkabinett, unfassbar. Das Martyrium dieses Mannes kann man sich nicht vorstellen. Ein Arzt, der es anwendet zeigt, wie wenig er von Arzneimitteln versteht.

Ein solch hochdramatischer Tod ist natürlich auch für die Anverwandten traumatisch. Unter Tränen sagte die Witwe vor laufenden Kameras, dass wenn Ihr Mann nur AOK Patient gewesen wäre, dann wäre er nicht in diese Klinik aufgenommen worden, hätte das seinerzeit „neue Medikament” nicht bekommen und würde heute noch leben. Ich war erschüttert. Was da geschehen war, war absolut vorhersehbar. Ein solches Präparat hätte als Infusion nie zugelassen werden dürfen. Es wurde kurz darauf vom Markt genommen. Aber um welchen Preis?!

Krebsmittel
Im Jahr 2012 wurde ein Apotheker verurteilt. Er hatte Arzneimittel gegen Krebs  verkauft, die keinen Wirkstoff enthielten und das wusste der Mann auch. Im Klartext der Mann hat in den Emiraten Infusionsflaschen bestellt die Kochsalzlösung ohne Wirkstoff enthielten. Diese hat er mit Aufklebern das Originalproduktes versehen und verkauft. Ein erfahrener Arzt, der bei mehreren Patienten feststellte, dass das Präparat nicht wirkt, hat den Betrug aufgedeckt.

Die Situation der Betroffenen
Die meisten Patienten wissen von diesen Dingen nichts. Kommt es zu solchen Ereignissen, sind sie völlig überrascht. Sie werden auch im Nachhinein nicht aufgeklärt. Wenn es um die Wahrung ihrer Rechte geht, ist es um sie schlecht bestellt. Es gibt genug Fälle, in denen Menschen, die schwere Nebenwirkungen erlitten haben, in der Folge von Sozialleistungen abhängig und völlig ruiniert wurden, auch wenn ein Gericht, ihnen am Ende recht gibt und Schadensersatz zuspricht.

Im der Legislaturperiode 2008- 2012, als erstmals die Diskussion um Korruption bei Ärzten im Zuge des ratiopharm- Skandals aufkam, wurde ein Gesetz vorgeschlagen, das die Betroffenen vor diesen Konsequenzen schützen sollte. Die Patienten sollten in der Übergangszeit, bis ein rechtsverbindliches Urteil ergeht, finanzielle Unterstützung gewährt werden. Dieses Gesetz wurde von den Interessenverbänden der Ärzteschaft und der Industrie damals verhindert. Warum? Es hätte ein Fonds eingerichtet werden müssen und der hätte Geld gekostet.

Die Folge: Die Menschen sind schwer geschädigt und finanziell ruiniert und der Staat kommt für die Folgen dieser Machenschaften auf. Risiken und Nebenwirkungen können also sehr wohl von denen hervorgerufen werden, die wir wegen eben dieser, von Gesetzes Wegen her befragen sollen.

Die Zielsetzung des Buches Pharmakrieg
In Pharmakrieg schildere ich die Zusammenhänge in der Vermarktung von Arzneimitteln, in leicht verständlicher Form, als Roman. Es soll Ihnen helfen, dieses System, von dem ja auch Ihre Gesundheit abhängen kann, von innen her zu verstehen, mögliche Gefahren für sich zu erkennen und sich davor zu schützen.

Im Anhang finden Sie weitergehende Informationen, die auf den Inhalten des Romans aufbauen.